© M. Gülpen


Pädagogisches Konzept

Nachhaltigkeit, Motivation, Lernerfolg ...

Die pädagogische Arbeit der Schule Natur verbindet umwelt- und erlebnispädagogische Ansätze mit dem Konzept der "Bildung für nachhaltige Entwicklung" (BNE). Bei der BNE geht es darum, die Auswirkungen des eigenen Handelns auf die Welt zu verstehen, um mit Blick auf Mensch und Umwelt verantwortungsvolle Entscheidungen treffen zu können.

Die Kursinhalte orientieren sich am aktuellen Wissensstand von Forschung und Technik, den Inhalten der Schullehrpläne sowie an den Leitbildern und Lerninhalten der "Bildung für Nachhaltige Entwicklung" (BNE) und des "Globalen Lernens". Eine stetige Reflektion der Arbeit, die immer neue Blickwinkel und Perspektiven auf die angebotenen Themen zulässt, ermöglicht es, situationsabhängig auf die unterschiedlichen Bedürfnisse und Lebenswelten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer reagieren zu können. Die pädagogische Arbeit der Schule Natur unterliegt einem offenen Konzept, bei dem die Themenangebote jeweils über einen „roten Faden“ verfügen und es trotzdem möglich ist, flexibel auf die Gruppe einzugehen. Die genauen Themenschwerpunkte können im Vorfeld der Veranstaltung mit den Lehrkräften durch eine persönliche Beratung auf die gewünschte Unterrichtseinheit abgestimmt werden.

Dimensionen der Bildung für nachhaltige Entwicklung

Das Bildungsangebot der Schule Natur ist breitgefächert. Es umfasst schwerpunktmäßig botanische und zoologische Themen, bei denen die ökologische Dimension im Vordergrund steht. Artenkenntnis, Biodiversität und ökologische Zusammenhänge sind hier die Schwerpunkte. Die ökonomische, soziale und globale Dimension lässt sich besonders gut im Themenfeld des Fairen Handels wie auch bei den Themen Energie und Waldwirtschaft behandeln. Hier werden die Lebensbedingungen der Menschen in den Anbauländern, der Anbau der Produkte selbst und die globalen Handelswege aufgezeigt. Die Endlichkeit von Ressourcen, die damit einhergehenden regionalen und globalen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt sowie Lösungsmöglichkeiten sind ebenfalls Inhalte der Veranstaltungen.

Perspektivwechsel und Austausch

In unseren Kursen möchten wir persönliche Betroffenheit herstellen, Fragen stellen, die das eigene Alltagsverhalten reflektieren und in Rollenspielen einen Perspektivwechsel ermöglichen.

Schüler lassen sich oft mitreißen, entdecken gerne die vielfältigen Zusammenhänge und lassen sich auch emotional beteiligen. Indem wir sie das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven erleben lassen, entdecken sie, wie unterschiedlich die Interessen einzelner Akteure sein können. Hier geht es auch darum, Verständnis und Sensibilität für die Position des Anderen zu entwickeln.

Bei der Aufgabenstellung für die Arbeit in Gruppen ist es möglich, Forscheraufträge zu erteilen, die einen Perspektivwechsel ermöglichen. Ein Beispiel hierfür ist eine Unterrichtseinheit zum Thema Gewässer, bei dem die ökologischen, wasserwirtschaftlichen und die touristischen Fragen am Beispiel der Gewässer im Grugapark als Freizeitpark untersucht wurden. Werden die Ergebnisse vorgestellt und diskutiert, wird unmittelbar ein Interessenskonflikt deutlich, der dazu zwingt, miteinander zu reden, zu verhandeln und Kompromisse zu erzielen. Ähnliches ist möglich am Beispiel tropischer Nutzpflanzen, bei denen alle Aspekte der Erzeugung bis hin zum Handel, zum Konsum, aber auch der Ökologie analysiert und diskutiert werden. Hier geht es darum, Bedürfnisse unterschiedlicher Menschen zu erfahren und zu erlernen, diese zu respektieren. Ziel ist die Erkenntnis, dass gute Lösungen nur unter Berücksichtigung aller vorhandenen Meinungen zu erreichen sind.

Die Kursleiterinnen und Kursleiter treten als Fachleute und weniger als Lehrkräfte auf. Als Fachleute sind sie nicht an die Inhalte eines einzigen Unterrichtsfaches gebunden. Die Vernetzung des fächerübergreifenden Wissens ermöglicht einen Perspektivwechsel, der die Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Fachdisziplinen verdeutlicht. Er hilft die praktische Bedeutung einzelner Lerninhalte besser zu erfassen. Das ist aus der Perspektive der Schülerinnen und Schüler eine bedeutsame Erkenntnis, weil sie hilft, Interesse und Einsicht, etwa zum „Sinn des Lernens“, zu verbessern.

Zukunftsorientiertes Denken und Handeln

In Bezug auf zukunftsorientiertes Handeln erachten wir es als wichtig, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern aufzuzeigen, wo die eigene Handlungsdimension liegt und wo innerhalb der Gesellschaft Prozesse in Gang gesetzt werden müssen. Es geht darum, individuell, aber auch gemeinsam verantwortlich handeln zu können. Beispielsweise darf der Klimawandel nicht nur als Bedrohung angesehen werden (die er jedoch zweifellos ist), sondern auch als Herausforderung für die Menschheit. Was müssen wir tun, um eine Wende in Gang zu setzen? Wir können und müssen das schaffen! Dazu muss jeder „mit anpacken“. Den Folgen von Passivität und Desinteresse kann sich keiner entziehen. Gerade in diesem Zusammenhang sind die Erfahrungen durch Perspektivwechsel wichtig. In Bezug auf die Natur wird deutlich, dass es wichtig ist, Unentdecktes zu entdecken und Unbekanntes zu erforschen, um auch hier Respekt entwickeln zu können.

Methoden

Bei den Veranstaltungen werden Zusammenhänge und Wissen spannend vermittelt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden zu Forscherinnen und Forschern und sind mit allen Sinnen aktiv. Sie werden dazu motiviert, ihre Umwelt neugierig zu entdecken. Die Beschäftigung mit Lebewesen in ihrer natürlichen Umgebung stellt ein authentisches Naturerlebnis dar, das es ermöglicht, eine wirklichkeitsgetreue Vorstellung über deren Vorkommen und Rolle im Ökosystem zu entwickeln. Solche Primärerfahrungen zählen zu den besonderen Stärken der Angebote eines außerschulischen Lernortes. Die Inhalte der jeweiligen Themen sind zielgruppenspezifisch aufbereitet und werden methodisch vielfältig an den Wissensstand und die Erfahrungswerte der Teilnehmer angepasst.

Handlungsorientierte Forscheraufträge ermöglichen es den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, selbständig in Kleingruppen zu arbeiten. Teambildende Prozesse werden in ausgewählten Programmen, die eine Kombination aus Wissens-, Bewegungs- und Kooperationsaufgaben beinhalten, angeregt. Besonders bei jüngeren Teilnehmerinnen und Teilnehmern fließen auch spielerische Elemente aus der Erlebnispädagogik in die Veranstaltungen ein. Handwerkliches Arbeiten und Bastelaktionen fördern die motorischen, kreativen und planerischen Fähigkeiten. Mit wissenschaftlichen Untersuchungsgeräten wie z.B. Stereomikroskope und elektronische Messgeräte können sich bereits Kinder ab dem Kindergartenalter vertraut machen.

Es ist festzustellen, dass von jüngeren Schülerinnen und Schüler eine Veranstaltung häufig gar nicht als Lernsituation empfunden wurde oder sogar nicht direkt mit „Lernen“ in Verbindung gebracht wird. Das mag zunächst erstaunen, ist aber ein Ausdruck dafür, wie stark sich die erlebte Lernsituation vom gewohnten Schulalltag unterscheidet. Am außerschulischen Lernort Erlebtes und Erfahrenes bleibt aber ungewöhnlich stark im Gedächtnis und kann noch lange Zeit später erstaunlich korrekt wiedergegeben werden. Hierzu ist es wichtig, die Kursinhalte und die Art und Weise ihrer Vermittlung so zu konzipieren, dass sie sich deutlich von den Möglichkeiten und Methoden unterscheiden, die in der Schule eingesetzt werden können.

Praktischen Aufgaben, wie Schokolade selbst herstellen, Fäden aus Baumwollfasern ziehen und ein kleines Gewebe herstellen, muss stets ein großer Raum eingeräumt werden. Wir machen Zuordnungsspiele mit Pflanzen und den daraus gewonnenen Materialien und arbeiten dabei mit viel Anschauungsmaterial. Mediale Präsentationen gibt es auch, sie sollen aber vornehmlich die praktischen Erfahrungen ergänzen und vertiefende Informationen bereitstellen. Entscheidend ist es hier, die Möglichkeiten des außerschulischen Lernorts auszuschöpfen um auf diese Weise ein Angebot zu schaffen, das in der Schule so nicht realisiert werden kann.

Die Schule Natur hat anhand der positiven, eigenen praktischen Erfahrungen mit inklusiven Gruppen ein Konzept entwickelt, um auch diesen Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Rahmen ihrer Veranstaltungen ein gleichwertiges Erlebnis zu ermöglichen. Dabei ist auch die barrierefreie Infrastruktur des Grugaparks hilfreich. Gerade Menschen mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen zeigen besonders großes Interesse an den Kursinhalten. Außerdem ist der Betreuungsschlüssel bei integrativen Gruppen mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern mit besonderen Bedarfen in der Regel sehr gut. Benötigte Hilfsmittel (Rollstühle, Hörverstärkungen etc.) werden selber mitgebracht. Die soziale Interaktion innerhalb der Gruppe ist in der Regel sehr gut. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer helfen sich gegenseitig und achten aufeinander. So ist es möglich, die Veranstaltungen mit einigen Anpassungen an die Bedürfnisse der Gruppe zu den gewünschten Themen mit positivem Ergebnis durchzuführen. Bei Veranstaltungen im Grugapark können die meisten Lernorte barrierefrei erreicht werden, so dass auch Menschen im Rollstuhl problemlos an den Veranstaltungen teilnehmen können.

Partizipation von Veranstaltungsteilnehmenden sowie Reflexion

Bei jeder Veranstaltung wird auf dem Wissenstand der Teilnehmerinnen und Teilnehmer aufgebaut. Dieser kann zum Beispiel spielerisch zu Beginn der Veranstaltung im Rahmen einer Fragerunde ermittelt werden. Kursleiter und Teilnehmende sind während der Veranstaltung in ständigem Austausch über Gesehenes und Erlebtes. Auch besondere Beobachtungen, die nicht unmittelbar zum Thema gehören, werden in der Veranstaltung berücksichtigt und können gegebenenfalls zu einer Änderung des Ablaufes führen. Der Kursleiterin bzw. dem Kursleiter fällt die Aufgabe zu, die Beiträge der Teilnehmenden als wichtig darzustellen und damit Wertschätzung auszudrücken. Es ergibt sich die Möglichkeit, Wertschätzung innerhalb der Gruppenmitglieder zu fördern. Fragen und Beobachtungen der Teilnehmenden sollen in die Gruppe hereingetragen und gemeinsam diskutiert werden. Wichtig ist es, das Thema abzuschließen und eine Feststellung bzw. ein gemeinsames Ergebnis zu formulieren.

Die Reflexion der Unterrichtsinhalte am Ende der Veranstaltung ist ein wesentlicher Bestandteil eines optimalen Ablaufes. Es geht darum, einen gemeinsamen Abschluss zu finden und das Erlebte noch einmal kurz zu wiederholen. Dabei ist es sinnvoll, die Teilnehmenden intensiv zu beteiligen, um die Konzentration auf das Thema zu fördern. Auf diese Weise können behandelte Wissensinhalte verfestigt und der Lernerfolg verbessert werden. Aus Sicht der Kursleiterinnen und Kursleiter geht es auch darum, Anhaltspunkte für Verbesserungsmöglichkeiten zu gewinnen.

Förderung von BNE-Kompetenzen

Folgende Kompetenzen der Bildung für nachhaltige Entwicklung (nach UNESCO 2018) sind Bestandteil unserer Programme:

  • Aneignung von Wissen
  • Lösung von Problemen und Konflikten
  • Kritisch denken
  • kommunizieren und verhandeln
  • systemisches Lernen
  • Zukunftsrelevanz
  • Wertereflexion
  • Partizipation und Zusammenwirken
  • Perspektivenwechsel, Multiperspektivität
  • inklusiv denken und handeln
  • Solidarität und Verantwortung zeigen

Anmeldung

Förderung

Die Schule Natur ist BNE-zertifizierte Einrichtung und Regionalzentrum im Landesnetzwerk Bildung für Nachhaltige Entwicklung Zukunft Lernen NRW, gefördert vom Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz NRW.

Die Schule Natur ist Regionalzentrum im Landesnetzwerk Bildung für Nachhaltige Entwicklung Zukunft Lernen NRW.

Die Schule Natur ist BNE-zertifizierte Einrichtung.

Die Schule Natur wird gefördert vom Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz NRW.

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